Nach 2013 mit meiner Tochter und 2024 mit dem Dachzelt nun also meine dritte Reise auf diese wundervolle Insel im Atlantik. Mit Icelandair ging es am Mittwoch in knapp vier Stunden direkt von Berlin nach Keflavik, wo ich nach einer kurzen, aber teuren Taxifahrt (ca. 40 für knapp 8 Minuten Fahrt) an der Vermietstation von Easy Camper ankam. Die Schlüsselübergabe per PIN-Code aus der Keybox war unproblematisch und mein gebuchter Wagen stand auch abfahrbereit mit allen gebuchten Zusatzausstattungen bereit. Schnell noch zum BONUS, um ein paar Einkäufe für die nächsten Tage zu machen und danach ging es auf der 43 zunächst in Richtung Grindavik, wo noch vor kurzem der Vulkan seine Asche und Lava über das Land gestreut hatte, ein apokalyptischer Anblick und ein unwirkliches Fahren durch diese Landschaft.
Anschließend ging es auf der 427 weiter bis zum nächsten Campingplatz, der aber vorsichtshalber geschlossen war, ob wohl er bei Park4Night as ganzjährig geöffnet gekennzeichnet war. Vermutlich hätte man dort auch stehen bleiben können, aber die erste Nacht so ganz ohne Service zu verbringen, wollte ich dann doch nicht, also fuhr ich weiter bis nach Selfoss und der dortige Campingplatz hatte nicht nur geöffnet, sondern auch noch Platz für mich, allerdings auch für noch gut zwei Dutzend weitere Camper und einer Jugendgruppe, die den kompletten Aufenthaltsraum für sich in Anspruch nahm. Aber das war mir egal, ich hatte unterwegs mein im BONUS gekauftes Lachsbaguette bereits gegessen, brauchte also nur noch den Waschraum zum Zähneputzen und dann ging es im Camper an das Bett machen. Nach einem etwa zehnminütigem Kampf mit dem Spannbettuch, das sicherlich für vieles, aber nicht für das Bett in diesem Bus geeignet ist, war dann auch das erledigt und bei laufender Heizung und mit einer mehr oder weniger kuscheligen Bettdecke sank ich für meine erste Nacht auf Island in den Schlaf.
Über Nacht hatte es offenbar aufgehört zu schneien, denn am nächsten Morgen hatte sich die Schneedecke kaum verändert.

Von vornherein war für mich klar, dass das Hauptziel dieser Reise das Einfangen von Polarlichtern sein soll; aus naheliegenden Gründen bedarf es dazu eines klaren Himmels in der Nacht und das kann hier aus Island schon eine Herausforderung sein, wenn man, so wie ich, nur ein paar Tage Zeit hat. Also war klar, diese Reise wird vermutlich mit viel Fahren verbunden sein und so kam es auch. Der Flughafen liegt im Westen der Insel, wo es für die kommenden Tage keine Aussichten auf klare Nächte gab, diese könnten aber im Osten sein, also hieß es heute, an Tag 2, lange, sehr lange fahren.
Die Wasserfälle, die ich noch im Sommer 2024 besucht hatte, ließ ich daher, im wahrsten Sinne des Wortes, links liegen, zumal auch das Wetter erwartungsgemäß nicht wirklich zum Aussteigen einlud.
Nicht vorbeifahren konnte ich allerdings an der Gletscherlagune, jedes Mal ein faszinierender Anblick, wenn große und kleine Teile des Gletschers vom Gletschersee aus in das Meer treiben.



Nach insgesamt rund 9 Stunden Fahrt kam ich dann an meinem Campingplatz in der Nähe von Djupivogur an und ich war ausgesprochen positiv überrascht. Nicht nur, dass er kaum besucht war, sondern er hatte einen großzügigen, sehr großzügigen und beheizten Aufenthaltsraum mit diversen Kochplatten, Töpfen, Pfannen und sonstigen Utensilien, die zum Kochen notwendig sind. Und das alles auf dem Ehrlichkeitsprinzip, d.h. die Rezeption ist gar nicht besetzt, sondern man zahlt seinen Obolus (ca. € 18,00 für das Auto und mich) via App. Hier wollte ich die Nacht bleiben (Spoiler: es sollte nicht nur eine Nacht werden).
Dann schnell wieder weiter in die nächste größere Stadt, ca. 40 Minuten Fahrtzeit entfernt, da das dortige Restaurant sehr gute Bewertungen hatte; und ja, die Pizza war lecker 🙂

Anschließend ging es wieder zurück zum Campingplatz, dieses Mal schon deutlich langsamer, da ich permanent den Himmel nach den ersten Anzeichen von Miss Aurora absuchte. Es waren zwar nur schwache Polarlichter vorhergesagt, KP-Index 5, aber manches Mal nimmt man ja, was man kriegt,
Und dann waren sie plötzlich zu sehen, und gar nicht mal so schwach.



Das alles sind noch iPhone-Bilder, nun sollte die Canon R6MII ihr Werk verrichten, doch Oh Schreck, die Einschubplatte für das Stativ war nicht mehr da. Ich hatte dies am Nachmittag an der Lagune von der Kamera genommen und auf das Stativ geschraubt. Diese Einschubplatte ist notwendig, um die Kamera auf dem Stativ zu beschäftigen und die war nun nicht mehr da.
Offenbar hab ich sie unbemerkt verloren, denn als ich am Parkplatz von der Pizzeria ankam und die Beifahrertür öffnete, um den Fotorucksack mitzunehmen, fiel mir das Stativ entgegen; ich hoffte, dass sich dabei die Platte gelöst hatte und auf den Parkplatz gefallen war. Also wieder 30 Minuten zurück und tatsächlich lag sie da einsam und verlassen zwischen all den Kiselsteinen. Zwischenzeitlich war dann leider der KP-Index auf 4 gefallen und so kamen in dieser Nacht keine weiteren Aufnahmen mehr zustande.
Für den nächsten Tag hatte ich mir eine kleine Tour durch die Berge vorgenommen; doch zunächst machte ich mich in der Nähe des Campingplatzes auf eine kleine Wanderung zu zwei angeblich sehr schönen Wasserfällen in der Näöhe, von denen mir meine Nachbarn auf dem Platz vorgeschwärmt hatten. Übrigens Deutsche, die mit ihrem Wohnmobil sieben Wochen auf Island verbringen wollen.
Hm, wie soll ich es sagen, wären diese beiden Wasserfälle in Mecklenburg-Vorpommern oder in Brandenburg, würde ich sie als durchaus lohnend für einen Spaziergang bezeichnen, doch hej, wir sind auf Island und da bekommen sie mit viel gutem Willen eine 2 von 10; aber nun ja, meine Camping-Nachbarn sind ja auch erst seit drei Tagen auf Island ;-).
Danach ging es dann aber doch hoch nach Egliesstadir, denn dort sollte ein wirklich schöner Wassserfall in knapp 45 Minuten zu erwandern sein, doch schon allein die Fahrt dorthin ist ein wahrer Genuss.
Am Parkplatz für diese Wanderung zum Wasserfall merkte ich mal wieder, dass ich schlecht ausgerüstet bin; hier werden unbedingt Spikes zum Laufen benötigt; nicht nur, dass ich mich auf den ersten zehn Metern schon beinahe hingelegt hätte, nein, die Spuren in Eis-Schnee waren eindeutig. Und da es sich mit einem verstauchten oder gar gebrochenen Bein echt schlecht Auto fahren läßt, mußte ich verzichten, aber der Wasserfall steht noch auf der Liste!
Doch es sollte noch besser kommen!
Denn auf dem Weg hierher hatte ich parallel zur Straße einen Fluß gesehen, den wollte ich mit der Drohne mal abfliegen, schließlich hatte ich ja bislang noch kaum Aufnahmen damit gemacht. Also wieder zurück, es gibt auch einen guten Parkplatz, wo man ziemlich dicht am Wasser steht, Drohne ausgepackt und gestartet. Sie flog gut, sehr gut, mal knapp über dem Wasser, mal etwas weiter oben um die Landschaft mitzunehmen und so flog sie und flog sie, ganz entspannt mit dem Wind. Aber eben mit dem Wind. Doch zurück mußte sie gegen den Wind fliegen. Um es kurz zu machen, sie hat es nicht geschafft. In ihren letzten Sekunden versuchte ich sie noch zur Straße zu fliegen, aber etwa 500 Meter von mir entfernt setzte sie einfach zur Landung an, die sie auch zwischen irgendwelchen Büschen und Sträuchern machte.
Natürlich habe ich sie gesucht, bin echt zwei Stunden durch teilweise kniehohen Tiefschnee gestakt, vergeblich. Irgendwann habe ich mit total nassen Füssen und Schuhen aufgegeben.
Zwar wollte ich diese Drohne (DJI Mini 3) eh demnächst durch die neue Mini 5 Pro ersetzen, trotzdem, so ein Ende hat sie nicht verdient. Und um die Aufnahmen auf der Karte ist es auch schade.
Zum Trost mußte eine Pizza her 😉 Glücklicherweise gibt es in Eglisstadir eine recht gute, die kannte ich schon aus meine Reise in 2024.
Danach kam die nächste Herausforderung, denn das Wetter hatte sich merklich verschlechtert und für die nächsten Stunden waren starke Schneefälle mit Sturmböen vorhergesagt. Laut Island-App war die kurze Route zum Campingplatz schon gesperrt (und gesperrt heißt hier wirklich gesperrt!). Also die gleiche Route wie am Mittag wieder zurück, da hatte ich knapp zwei Stunden gebraucht, jetzt sollten es dreieinhalb werden. Und die Aussicht, die ich auf der Hinfahrt noch so genossen hatte, war jetzt irgendwie anders, sie war einfach nicht mehr da, zum einen, weil es dunkel war, okay, kann vorkommen, zum anderen aber auch, weil das Schneetreiben so stark war, dass man kaum zehn Meter weit sehen konnte, mit Fernlicht fahren ging gar nicht, das war ein einziges Blenden, selbst die Begrenzungspfähle an den Seiten reflektierten irgendwann nicht mehr, weil sie komplett eingeschneit waren.
Als ich dann endlich am Campingplatz ankam, war es kurz vor Mitternacht, einige andere Camper standen schon schön eingeschneit auch dort, ich stellte mich einfach dazu und fiel mehr oder wenige gleich ins Bett.

Am nächsten Morgen hatte der Schneefall aufgehört, an ein Wegfahren war aber trotzdem nicht zu denken, denn alle Strasse in dieser Region waren gesperrt, sie sollten erst am frühen Nachmittag wieder geöffnet werden; ich aber beschloß noch eine weitere Nacht hier zu bleiben, denn für die Nacht war nicht nur klarer Himmel, sondern auch ein KP-Index von 7 vorhergesagt.
Am Nachmittag war ich dann einige Stunden alleine, am frühen Abend gesellte sich noch ein junges Paar aus Indien dazu und gemeinsam bestaunten wir das nächtliche Spektakel.














Nach gut viereinhalb Stunden bei etwa -12 Grad war dann vorbei und gegen halb zwei Uhr nachts kroch ich dann trotz guter Winterkleidung mehr oder weniger komplett durchgefroren ins Bett, wo ich bestimmt noch eine Stunde wach lag, zum einen, weil mir noch lange kalt war und zum anderen, weil diese Eindrücke, die mit Bildern einfach nicht komplett einzufangen sind, noch in meinem Kopf waren.
Entsprechend kurz war die Nacht, denn heute sollte es wieder früher losgehen, da nicht abzusehen ist, ab wann wieder Strassen gesperrt sind. Eigentlich wollte ich bis Skaftafell, da dort am Mittwoch eine Gletschertour mit Eishöhle für mich starten soll, aber weiter als bis Höfn bin ich wieder nicht gekommen, danach ist die Ringstraße wieder gesperrt.
Mittlerweile ist her ein dermaßen heftiger Schnee- und Regenfall und ein so unglaublich starker Wind, dass ich beim besten Willen die Fahrertür meines Busses nicht öffnen konnte und auf der Beifahrerseite aussteigen mußte, dass ich es vorgezogen habe, in ein kleines Hotel zu gehen, wo ich nun sitze und dies hier niederschreibe.
Nach dem Essen, heute mal keine Pizza, sondern Lingusten-Pasta, bin ich mal spaßeshalber zu dem Campingplatz gefahren; dort standen ein paar Camper, deren Fahrzeuge mächtig im Sturm geschaukelt haben. Wird wohl eine sehr unruhige Nacht für die werden.
Ich lege mich jetzt dekadenterweise in mein weiches und warmes Hotelbett und warte ab, ob es morgen für mich weitergehen kann. Ich befürchte aber, wenn ich so aus dem Fenster schaue, dass es nicht wirklich besser werden wird, wir werden sehen.
Doch dazu dann morgen mehr, denn Ihr wißt ja, morgen ist ein anderer Tag!








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